Winteranfang

Der Herbst in diesem Jahr war sehr kurz und völlig verregnet. Statt des goldenen Oktobers mit all den spektakulären Farben und Lichtspielen bekamen wir nur zwei Wochen mit Sturm und Dauerregen, der dann ohne Zwischenspiel gleich in Schnee und Frost überging.

Die Bäume wechselten direkt von grün zu kahl, und statt raschelnder bunter Laubhaufen gab es nur eine modrige schwarzbraune Masse – viel zu nass und schwer um vom Wind herumgewirbelt zu werden.

Mit diesem abrupten Sommerende mussten wir viele der üblichen Herbstarbeiten auf das kommende Frühjahr verschieben, oder konnten sie nur provisorisch erledigen. Wir konnten gerade noch die restliche Gartenernte einholen, die allerdings fantastisch war – der kleine Apfelbaum trug Unmengen süsse rote und ausgesprochen grosse Äpfel:

…und die einzige Kürbispflanze dieses Sommers produziere satte 23 Kilo Früchte:

Die letzte Ausfahrt mit dem Boot war auch erfolgreich, und brachte noch einen schönen Hecht:

Und dann war’s plötzlich vorbei.

Das Boot war über Nacht im Eis eingefroren, so dass ich es mit der Axt befreien musste und nur noch an Ort und Stelle ans Ufer ziehen konnte. Zudem lag es plötzlich ein gutes Stück vom Ufer entfernt, denn der viele Regen hatte den Wasserspiegel im See dramatisch ansteigen lassen und so die Uferlinie um mehrere Meter ins Unterholz verlagert.

Nun ist der Himmel nun ziemlich konstant grau, und Tageslicht dringt nur sporadisch durch – und die weitgehende Abwesenheit von Farben macht traurige Seufzer zur einzig passenden Antwort auf die Landschaft.

Höchste Zeit die Werkstatt auf Vordermann zu bringen. Es gibt wieder viel zu basteln.

Pilzsaison

Bereits im Frühsommer konnten wir reichlich Pfifferlinge ernten – trotz des ausgesprochen trockenen Wetters.

Noch verblüffender waren allerdings die grossen Mengen von Steinpilzen im August – so viele wie schon seit Jahren nicht mehr. Natürlich waren die meisten sehr schnell von Maden befallen, aber dank der grossen Zahl kamen dennoch mehrere Kilogram zusammen.

Ich mag ja lieber die rotbraunen („die mit der dunklen Schokolade“, wie meine Tochter es formulierte) – aber die hellen sind absolut gleichwertig im Geschmack.

Die meisten davon trockne ich – dieses Jahr gute acht Liter. Getrocknet sind sie jahrelang haltbar, und man kann sie das ganze Jahr über in allem möglichen Gerichten verwenden – zum Beispiel für unsere beliebte Käsesuppe.

Habichtspilze trocke ich auch, und male sie dann zu Pulver – hervorragend zum Würzen von Suppen und Sossen. Mehr Pilzgeschmack als mit richtigen Pilzen geht halt nicht. Nur vorsichtig mit der Menge: der Geschmack getrockneter Habichtspilze ist ausgesprochen dominant, und wird leicht zu viel.

Das sind natürlich keine Habichtspilze:

…sondern drei aneinandergekuschelte Babyhasen. Für den flüchtigen Betrachter sind sie im Durcheinander des Waldbodens kaum auszumachen, aber selbst der konzentrierte Pilzsucher muss hier schon zweimal hinsehen um zu begreifen was er vor sich hat. Kurz drüber schmunzeln, nicht anfassen, und leise aber deutlich den Rückzug antreten 😉

Habichtspilze und Schafporlinge kann man aber auch sehr gut süss-sauer einlegen, oder – mein Favorit – mit roten Zwiebeln, Petersilie und Streifen von rohem Schinken als Salat zubereiten:

Beide Sorten bleiben nämlich auch beim Kochen bissfest und knackig, und haben einen angenehm milden Geschmack.

Der eigentlich weisse Schafporling wird übrigens beim Kochen entweder quietschgelb oder (bei Kochgeschirr aus Eisen) grau-schwarz – aber keiner dieser Farbwechsel hat irgendeine negative Auswirkung auf Geschmack oder Verträglichkeit.

Schmierlinge sind – trotz ihres Äusseren – gute Speisepilze. Sie sind von einer glibbrig-schleimigen Haut überzogen, an der sämtlicher Dreck kleben bleibt, und die den Pilz bei feuchter Witterung so glitschig und schmierig macht, dass man ihn kaum festhalten kann (wenn man ihn denn nun anfassen möchte).

ABER (!) – das ist rein äusserlich. Diese glibbrige Haut ist nämlich eigentlich nur eine Art Schutzfolie, die sehr effektiv gegen Insekten, Schimmelbefall und Austrocknen schützt. Bei den meisten Exemplaren kann man sie mit einem Messer in einem Stück (samt allem Dreck) einfach abziehen, denn sie ist ziemlich stabil:

Darunter kommt dann ein blitzsauberer Hut zum Vorschein. Den Schleim am Fuss schabt man einfach nach unten:


…und schneidet dann den holzigen Teil darunter (etwa dort wo die gelbe Färbung aufhört) einfach ab. Dann entfernt man bei älteren Exemplaren noch die Lamellen:

…und erhält so einen feinen, fast weissen Bratpilz mit sehr zartem Fleisch.

Kleiner Tipp: beim Putzen von Schmierlingen am Besten Handschuhe tragen – sie färben nämlich Finger und Nägel schwarzbraun (nicht abwaschbar!). Wenn man’s vergisst – kein Grund zur Panik: die Färbung ist nur oberflächlich, und Hornhaut und Nägel erneuern sich schnell, so dass in ein bis zwei Wochen alles wieder verschwunden ist 😉

Schmierlinge sind nur sehr selten von Maden befallen, aber kontrollieren sollte man natürlich trotzdem:

Der Geschmack bei Schmierlingen ist weniger ausgeprägt als bei anderen Sorten, also sollte man sie möglichst mischen, z.B. mit Steinpilzen oder Täublingen. Schmierlinge werden beim Braten zunächst rosa, später dann grau-braun – auch dieser Farbumschlag ist völlig normal und hat keine geschmacklichen Auswirkungen.

Sommerausklang

Nun neigt sich der Sommer seinem Ende zu. Die Tage werden schnell kürzer und die Nächte merklich kühler. Aber die Tage sind immer noch sonnig und warm, und – wie schon fast das ganze Jahr – viel zu trocken.

Im September beginnt die Apfelzeit, und in diesem Jahr trägt unser Baum mal wieder reichlich:

Ausserdem scheint er seinem Nachbarn, dem Kürbis, ernsthaft Konkurrenz machen zu wollen.

Äpfel aus der Kategorie „Familienpackung“:

Da reichen schon zwei für einen saftigen Apfelkuchen 🙂

Campingausflug

Letzte Woche waren wir mal wieder zum Camping – dieses Mal ganz weit weg.

Na ja – also „ganz weit“…wir sind jedenfalls gut zehn Stunden mit dem Auto immer nach Norden gefahren, und trotzdem nur bis etwa zur Mitte des Landes gekommen. Und ganz oberflächlich betrachtet war die Landschaft dort immer noch genau dieselbe wie Zuhause: Wald und Wasser, Wasser und Wald, und noch mehr Wald und noch mehr Wasser.

Allerdings fehlten schon etwa ab der Hälfte des Weges die Eichen und Buchen, und auch die bei uns zuhause so weit verbreiteten und oft gigantischen Mantelfichten wurden immer seltener und sahen eher klein und mager aus. Am Ende des Weges wurde die Landschaft von dünnen Kiefern, Espen und Birken beherrscht, dafür aber oft mit dichtem Unterholz und meterhohem Gras.

Die Stämme der Bäume dort im Norden erscheinen mir auch sehr viel deutlicher gefärbt – die Kiefern im typischen kräftigen Orange, und die Birken in strahlendem Weiss, wie frisch gewaschen. Zuhause sind sie meist eher grau und von Moos und vor allem Flechten überzogen, aber dort sind sie oft völlig frei von jeglichem Bewuchs.

Unser Campingplatz lag an einem kleinen Teich, und war sehr gemütlich:

Was ich gar nicht bedacht hatte war dass es dort um diese Jahreszeit überhaupt nicht dunkel wird, etwa so wie bei uns um Midsommar herum – das Foto oben sieht vielleicht aus wie nachmittags um die Kaffeezeit, ist aber um Neun abends aufgenommen. Zwischen Elf Uhr abends und Ein Uhr morgens herrschte so etwas wie Dämmerung, also mit der Sonne ganz knapp unter dem Horizont – aber immer noch hell genug um ohne irgendwelches künstliches Licht draussen zu sitzen und ein Buch zu lesen. Zu allen anderen Zeiten schien die Sonne.

Das verwirrt natürlich wenn man nachts um halb Drei aufwacht weil einem die Sonne direkt ins Gesicht scheint 😀

Der Campingplatz ist auf einer Halbinsel gelegen die sich in südlicher Richtung ins Bottenmeer erstreckt. Die gesamte Halbinsel ist mit Wasserflächen übersät – auf die knapp zehn mal sieben Kilometer kommen mindestens fünfzehn Seen und kleinere Teiche.

Die Wege sind zwar nicht befestigt, aber durchgehend gut befahrbar.

Die Halbinsel wird schon seit Tausenden von Jahren von Fischern bewohnt und bewirtschaftet – allerdings hatte sie während der Bronzezeit nur etwa ein Drittel ihrer heutigen Grösse. Die vielen kleinen Seen und Teiche sind nämlich Überreste des Bottenmeeres: nach dem Ende der Eiszeit begann sich das Land, vom Gewicht des Eises befreit, aus dem Meer zu heben, etwa einen Meter pro Jahrhundert, wodurch die ursprünglichen Buchten vom Meer abgeschnitten und zu Seen wurden.

Besonders eindrucksvoll zu sehen ist das anhand alter Grabrösen (Steinhaufen). Die Fischer legten diese Grabrösen nämlich am Strand oder auf vorgelagerten Inseln an – heute allerdings liegen sie zwanzig bis dreissig Meter über dem Meeresspiegel, mittem im Wald:

Einige der Grabstätten hatten eine enorme Grösse. Diese hier liegt etwa 30 Meter hoch über dem Bottenmeer (ist also etwa 3000 Jahre alt):

…und besteht aus tausenden von Felsbrocken, die die Fischer mit ihren Booten auf eine vorgelagerte Insel geschafft hatten, um ihren Toten diese Ruhestätte zu errichten:

(Gut zu sehen in den Bildern oben ist wie klein und mager die landschaftsprägenden Kiefern aussehen)

Ebenfalls am Südende der Halbinsel haben die Fischer im 18. Jahrhundert diese kleine Kapelle gebaut:

Sie ist komplett in aus Holz gebaut – auch das Dach ist mit Holz gedeckt – alles in Handarbeit. Und nicht etwa grobe Zimmermannsarbeit, sondern hingebungsvolle Handwerkskunst, die das Auge eine ganze Weile beschäftigt:

Jede Bank trägt das Zeichen einer ortsansässigen Familie, und alles ist handbemalt, einschliesslich Decke, Wände, Altar und die kleine Kanzel. Hier wurden – und werden immer noch – Hochzeiten gefeiert, Andachten für die Verstorbenen gehalten und natürlich für gutes Wetter, guten Fang und Gottes Segen gebetet 😉 in welcher Rangordnung auch immer. Ein brilliantes Stück Handwerk, und ein wunderbarer Ort.

Die etwa ebenso alte Domkirche gute zwanzig Kilometer weiter nördlich (Härnösand) ist natürlich sehr viel grösser und prachtvoller:

…wenn auch weit weniger familiär. Letzteres aber nur baulich – beim Betreten der Kirche nahm uns dort sofort eine ältere Diakonisse in Empfang und führte uns durch das gesamte Haus, die Kapellen und die Sakristei und erklärte uns alles was es über diese Kirche zu wissen gab, und noch ein bisschen dazu 🙂 Einfach so.

Die Stadt rund um die Domkirche ist typisch nordisch – auf einer vorgelagerten Insel gebaut (somit leicht zu verteidigen), mit Yachthafen und feinen Stadthäusern. Schön anzusehen, vor allem weil sie nach dem Stadtfest vor knapp zwei Wochen immer noch prächtig geschmückt war.


Und als Sahnehäubchen obendrauf gab’s noch ein (privates) Auto-Museum, mit Karossen aus den 1920er Jahren, US Autowahnsinn aus den 50ern und 60ern, europäischer Auto-Kleinkunst nach der Ölkrise der 70er, Ost-Autos, alte Feuerwehren, und logischerweise jede Menge Volvo und Saab aus allen Zeitaltern, einschliesslich dem allerersten Volvo. Alles aus der Nähe, zum Dranschnuppern, und manche auch zum Anfassen oder sogar Probesitzen (Mann, so ein alter T-Ford war wirklich ausgesprochen unbequem!).

Alles in allem – ein schöner und interessanter kleiner Urlaub. Na ja, von der langen Autofahrt mal abgesehen…nächstes Mal nehmen wir besser wieder die Bahn 😉

Was essen wir heute?

Wieder einmal Wochenende.

Wir beginnen mit einem Stück warmgeräucherten gepökelten Schweinerücken – auch bekannt als Kassler Rücken. Leider wird unter diesem Namen auch allerlei Murks verkauft, brrr… – aber ich habe ein sehr gutes Stück bekommen 🙂

Dazu Kartoffelbrei, und grüner Spargel. Fehlt noch was? Eine leichte Pfeffernote vielleicht?

Zeit mal in den Wald zu traben…

Für diese leichte Pfeffernote braucht man nun weder Glück noch gute Augen, und wenn man nicht völlig am Wald vorbeiläuft, wird man um diese Jahreszeit dort gleich von diesen kleinen gelben Freunden umringt:

Nimm mich mit! Nimm mich mit! Mich auch!

Nein, Scherz beiseite – sie laufen einem ja nicht hinterher, sondern man muss sie schon einsammeln. Aber komplizierter als so ist es nicht – Pfifferlinge sind unverwechselbar, sind schon von Weitem auszumachen und stehen immer in Gruppen zusammen.

Ja, na gut, und man muss sie natürlich saubermachen – ein kleines Stück Wald kommt ja immer irgendwie mit.

Ich entferne den groben Schmutz mit dem Pinsel, und wasche sie dann mit klarem Wasser gründlich ab. Grössere werden noch halbiert und auf Madenbefall kontrolliert – solcher ist aber sehr selten.

Dann ab in die Pfanne für zehn Minuten, anschliessend mehlen, angiessen, abschmecken und einkochen lassen. Eine Prise Kümmel für die Verdauung, aber nicht so viel dass man ihn herausschmeckt. Fertig.

Kassler Schweinerücken mit Pfifferlingen, grünem Spargel, und Kartoffelbrei. Passt.

Schinkenpremiere

Dieses Mal habe ich ein Karréstück verwendet (ist also eigentlich gar kein Schinken).

Es ist um einiges zarter noch als das Schinkenstück vom letzten Mal, und hat eine fantastische Fettmaserung.

Die Würzmischung war wieder dieselbe, allerdings fällt der Geschmack aufgrund des grösseren Fettanteils und der längeren Pökeldauer erheblich kräftiger aus. Also kann ich bei diesen Stücken die Gewürzmenge durchaus ein wenig reduzieren, um den Eigengeschmack des Fleisches besser zur Geltung kommen zu lassen.

Mir gefällt besonders die leichte Knoblauchnote, die sich fantastisch kombinieren lässt mit Salat oder Früchten.

Die Rauchmenge war wohl genau richtig – wiederum vier Durchgänge á 10 Stunden Rauch und 10 Stunden Lüften.

In jedem Fall ist das wieder eine ausgesprochen leckere Angelegenheit, und die Sauerkirschen (übrigens auch Premiere) sind hier nicht nur Dekoration, sondern passen auch geschmacklich perfekt dazu.

Kirschen in unbegrenzter Menge

Wir haben in unserem Garten einen grossen Süsskirschenbaum.

Er ist etwa acht Meter hoch und hat gute zwölf Meter Kronendurchmesser – mit vier dicken Hauptästen an einem nur etwa eineinhalb Meter langen Stamm.

Jedes Jahr Anfang Mai verwandelt sich der Baum in einen riesigen, summenden weissen Lampignon, der den ganzen Garten mit einem betörenden Mandelduft erfüllt. In den meisten Jahren ist der Zauber nach zwei Wochen vorbei, und die allermeisten der Abertausenden von Blüten verschwinden spurlos – und dennoch werden es am Ende immer mehr Kirschen als wir essen können.

Dabei handelt es sich um eine helle Sorte unglaublich saftiger und süsser, allerdings nicht sehr aromatischer Kirschen, die sich nicht wirklich konservieren lassen.

Einmal gepflückt kann man sie maximal zwei Tage aufbewahren, Einfrieren oder Einwecken verwandeln sie nur in ein relativ geschmacksneutrales Zuckerwasser, und zum Kuchenbacken sind sie auch ungeeignet. Für Marmelade muss man sie kombinieren (z.B. mit Stachelbeeren oder Grapefruit), aber dann liefern sie kaum mehr als ihre Süsse während der Kombinationsparter den Geschmack völlig dominiert.

Einzige beinahe brauchbare Variante ist sie süss-sauer einzulegen – aber wer braucht schon grosse Mengen süss-sauer eingelegte Süsskirschen?

Nun ja – in diesem Jahr jedenfalls verschwanden die Blüten nicht spurlos. Mindestens ein Drittel aller Blüten wurden Kirschen, in Gruppen zu zwanzig, dreissig Stück an jedem noch so kleinen Zweig.

Egal wie viele wir abpflücken, es werden einfach nicht weniger. Man pflückt und pflückt und pflückt, bis der Korb voll ist, dann tritt man einen Schritt zurück – und nichts hat sich geändert. Der Baum hängt genauso voll wie zuvor. Die Äste hängen bis auf den Boden herab unter dem Gewicht – glücklicherweise sind sie aber bei dieser Sorte sehr stark und elastisch und halten das problemlos aus.

Nun ja, die meisten der Kirschen werden wir den Möwen überlassen, die übrigens unglaublich geschickte Kirschenpflücker sind. Einen Teil werden wir noch verschenken, und ansonsten bei jedem Vorbeigehen naschen bis uns die Bäuche wehtun.

Ein flüchtiger Zauber – aber ein mächtiger solcher 🙂

Mittlerweile ist es auch Zeit sich dem Beerengarten zuzuwenden. Diese kleinen Freunde sind zwar nicht so gross – obgleich mindestens ebenso viele – dafür aber um Grössenordnungen aromatischer, und vor allem haltbarer als die Kollegen am Baum:

Schwarz ist natürlich mein Favorit, aber solo macht das nur halb so viel her wie gemischt.

Leider geht weder Duft noch Geschmack über’s Internet – also müsst ihr euch den Teil zur Geschichte dazudenken: Sommerabend auf der Terrasse, gemischtes Eis, eine Handvoll frische Johannisbeeren, und darüber eine Sosse aus schwarzen Johannisbeeren und Felsenbirne mit einem kleinen Schuss Rum. Minzeblatt freilich, aus dem Kräutergarten.

Recycling (Forts.)

Ihr erinnert euch vielleicht noch an dieses Bild:

Ich hatte eine alte Transportpalette auseinandergenommen, und die Bretter aufgearbeitet um daraus eine weitere Holzkiste anzufertigen – als Geschenkverpackung, oder zur Aufbewahrung persönlicher Schätze.

Mittlerweile gibt es drei dieser Kisten – den Prototypen den ich bereits vorgestellt hatte, und zwei weitere aus dem Erlenholz der Palette. Hier noch mal der Werdegang der letzten, und kleinsten:

Ausgangspunkt waren, wie gesagt, ein paar wiedergewonnene Bretter – nicht gerade sehr schön anzusehen:

Nach dem Säubern und Glatthobeln kam aber ein wunderbares Farbspiel zum Vorschein, das eine Rolle als sichtbare Front verlangte:

Nicht einfach, denn das Brett war gewunden und die brauchbare Länge zu kurz um das komplette Muster einzubeziehen, und Geradehobeln hätte ausgerechnet die schönsten Stellen abgetragen. Hmm – was tun?

Dann kam mir aber die Idee das Brett so zu teilen dass sich das Muster über die Seite fortsetzt. Durch diese Teilung würde die Krümmung nicht so sehr ins Gewicht fallen, und ich könnte das Muster erhalten.

Ein weiteres Problem war das Verleimen des Deckels – die Kanten der Bretter quollen durch den Leim so ungleichmässig auf dass der Deckel eine kräftige Wölbung bekam (über 1cm!), noch bevor ich ihn einspannen konnte.

Bei solch einer Verformung hätte einfaches Pressen die Fugen schlicht wieder auseinander gerissen – also war ich gezwungen den Deckel über mehrere Tage immer wieder mit einem nassen Tuch anzufeuchten, und mit Steinen zu beschweren bis die Wölbung weitgehend verschwunden war, und ich den Rest glatthobeln konnte.

Um ihm Stabilität zu verleihen, entschied ich mich ausserdem den Rahmen aus Eichenholz anzufertigen.

Eine Quälerei, kann ich euch sagen: die Eiche ist hart aber spröde, und die Fasern liegen kreuz und quer, kräuseln sich, und überstehen vorsichtige Schnitte oft völlig unbeschadet – als hätte man das Werkzeug nicht mal dran gehabt. Aber ein Schlag zu kräftig – und das Werkstück bricht der Länge nach, aber nicht glatt, sondern unregelmässig und damit meistens irreparabel. Für kleinere Details ein ungeheur schwieriges – wenngleich dankbares – Material. Beeindruckende Stärke, wunderbares Muster, aber keine Manieren.

Aber wo ein Wille ist…

Nun ist das Erlenholz ja roh ziemlich blass, und man kann das Muster das mich so begeistert hatte kaum erkennen. Aber mit einer kräftigen orange-roten Beize kann man sie gut herausarbeiten.

Und mit ein bisschen Lack und Politur (und ein Tröpfchen Phantasie, wenn zur Hand) wird das hässliche Palettenholz als lavaspeiender Vulkan wiedergeboren:

🙂 Schick, oder?

Wo Rauch ist, da ist auch…

…Schinken!

Das Schinkenmachen wird ja gern zur Geheimwissenschaft erklärt, die nur von eingeweihten, erfahrenen Meistern der Fleischerkunst beherrscht werden kann.

Nachdem ich nun aber überraschenderweise einen Räucherofen geschenkt bekommen habe, muss ich damit ja auch was anstellen. Und da ein fein geräucherter, roher Schinken hierzulande nur sehr schwer (wenn überhaupt) zu kriegen ist, war es naheliegend…na ja, also dachte ich, ich probier’s einfach mal aus.

Natürlich behauptet jeder was anderes – der eine schwört auf diese Methode, ein anderer auf eine ganz andere, und selbstverständlich haben immer alle anderen Unrecht. Das mit dem „einfach“ war zunächst einmal sehr verwirrend.

In einem sind sich aber alle Quellen einig: am Anfang eines guten Schinkens steht immer ein erstklassiges Stück Fleisch. Wählerisch beim Fleisch zu sein ist wichtiger als das Rezept.

Ich beginne also mit einem besonders schönen Stück, etwa ein Kilo, fest, mit satter Fleischfarbe und feiner Maserung, unaufdringlichem Geruch, das weder trockene Ränder hat noch im Saft schwimmt – gehe weiter und suche nach einem noch besseren Stück.

Nach einer Weile schlägt mich der Gedanke dass mein Mangel an Kenntnis und Erfahrung bei der Herstellung möglicherweise selbst das beste Stück versauen könnte, und ich den Aufwand bei der Auswahl vielleicht besser im angemessenen Rahmen halten sollte. Ich reisse mich also zusammen, und das Stück was ich am Ende für perfekt halte sieht immer noch sehr ähnlich aus, und ist als „Schinkenbraten“ ausgewiesen.

Ich wasche es gründlich, reibe es trocken, lasse es eine Weile ruhen, und mache mich dann ans Einsalzen. Nitritsalz (35g per Kilo), Puderzucker (4g per Kilo), Pfeffer, Piment, Knoblauch, Kümmel und eine Prise Thymian – alles genau abgewogen und gründlich durchgemischt.

Ich massiere die Mischung gründlich ins Fleisch ein, so dass kein Fleckchen mehr ohne Salz ist. Anschliessend kommt alles in eine Plastetüte, die Luft raus, und fest verschliessen. Dann schnüre ich das Paket noch kreuzweise ganz fest zusammen, und packe es in den Kühlschrank. Und dann…

….warten, wenden, warten, wenden, warten, wenden…drei Wochen lang.

Nach etwa einem Tag hat sich ein wenig klare, bernsteinfarbene Flüssigkeit in der Tüte gebildet, wie erwartet. Diese Flüssigkeit sollte klar bleiben und ihre Farbe behalten – wird sie trüb, ist was faul. Mit der Zeit verändert sich die Farbe des Fleisches allmählich von Fleischfarbig-Rosé nach Rot, auch das wie erwartet – bei anderen Farbveränderungen hätte ich mir Sorgen gemacht.

Am Ende der drei Wochen nehme ich das Stück heraus, wasche es gründlich ab und salze noch einmal ein wenig nach. Es riecht nach wie vor gut, und ist durchgehend fest. Ich ziehe eine Schnur durch das Ende und hänge das Fleischstück im Keller auf.

In den ersten Stunden bilden sich noch ein paar Wassertropfen, und das Salz an der Oberfläche verschwindet. Nach einem Tag ist das Fleisch an der Oberfläche trocken, und die Farbe geht sehr deutlich in ein kräftiges Rot über.

Nach einem weiteren Tag sieht man deutlich wie das Stück schrumpft – und die Wage zeigt jetzt etwa 780g (von ursprünglich 990g). Die Oberfläche ist nun hart, und die rote Farbe wird immer dunkler.

Am nächsten Tag (bei 750g) beginne ich mit dem Kalträuchern. Ich verwende Buchenspäne aus eigener Herstellung, und mische ein paar zerstossene Wacholderbeeren darunter. Nach etwa 10 Stunden mache ich eine Pause und hänge den Schinken für einige Stunden an die frische Luft.

Nach etwa vier Durchgängen von Räuchern und Lüften sieht das Stück verführerisch lecker aus – kräftiges Dunkelrot mit honigfarbenen Fettstreifen und es duftet dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Es wiegt nun 680g, und ist sehr fest.

Aber noch ist es nicht soweit…zunächst einmal wird der Schinken noch in Papier eingeschlagen und kommt für ein paar Tage in den Kühlschrank (oberes Fach!).

Warten…warten…warten…immer mal wieder dran riechen und vor Neugier platzen…warten…eine gute Woche (oder vielleicht zwei?)

Nein, eine – dann hab ich’s nicht mehr länger ausgehalten. Schnitt.

Wow! Mmmh…Oh, wie gut!

Nun ja, nun – knapp drei Wochen später – ist das Stück leider schon fast aufgegessen. Wirklich schwer zu widerstehen.

Also noch einmal das Ganze – Fleisch kaufen, Einsalzen, Räuchern…Mitte August ist dann die nächste Premiere 🙂

Macht Spass, ist weit weniger schwierig als ich dachte, nun ja – fordert definitiv die Geduld heraus, und schmeckt ausgesprochen…mmmh. Also sehr zu empfehlen 🙂

Aber hey – keine Garantien für diese Anleitung – ich bin ja kein Fachmann! Bitte selber nachdenken, unbedingt noch mal in anderen Quellen informieren und meine Fehler hier nicht nachmachen! Und ganz wichtig: immer und ständig auf Hygiene achten, und das Fleisch bei ersten Anzeichen von Fäulnis, Insektenbefall oder grünem Schimmel unbedingt wegwerfen!

Dach überm Kopf

Nun muss ich einiges nachholen hier…

Mit dem Mai kam das Grossprojekt des Jahres – das Dach. Seit unserem Einzug hatten wir schon geplant das Dach neu zu decken, hatten es aber immer wieder hinausgeschoben. Aber nun war es soweit – und da sich kein Handwerker fand der den Job machen wollte, mussten wir selbst Hand anlegen.

Zwar war das Dach in seiner Substanz in Ordnung, aber es hatte bereits 60 Jahre gedient und war – so nahmen wir an – noch nie überholt worden. Es gab erste Anzeichen von beginnenden Schwächen und Schäden, und es war einfach Zeit das Risiko auszuschalten.

Wir hatten ja bereits im letzten Jahr wenig geübt – am Dach des Aussenhauses. Aber dieses hier war noch einmal eine ganz andere Grössenordnung: sehr viel grösser, höher und mit einigen Schikanen.

Die erste Schikane war das Gerüst – nun gibt es zwar ausleihbare Gerüste, aber eines in der erforderlichen Grösse und vor allem Höhe konnte uns keiner geben. Reserviert für Profis und Firmen, sorry. Also haben wir uns ein paar Elemente privat ausgeliehen, und dann mit ein wenig Eigenbau in Holz und ganz vielen Leitern ergänzt.

Dann konnte es losgehen, zunächst auf der Rückseite des Hauses – welche den Vorteil des begehbaren Terrassendachs hat, also jede Menge Steh- und Ablagefläche:

Nach dem Herunternehmen der Dachziegel zeigte sich die Dachpappe in einem sehr verschlissenen Zustand, mit vielen Rissen und Löchern. Die Dachlatten waren alle noch fest und stabil begehbar, aber ein paar der Bretter darunter waren am Rand bereits morsch und zerbröselten bei der ersten Inspektion, einschliesslich Dreikantleiste und Giebelbrett. Nun ja…

Die grösste Herausforderung dabei sollten die Giebelbretter werden – da wir ja die Giebelseite nicht einrüsten konnten und deshalb von aussen – in bis zu zehn Metern Höhe – gar nicht herankamen, aber trotzdem einige davon austauschen, und sowieso alle streichen mussten. Hmm…

Das Problem war zunächst die alten Giebelbretter abzureissen – zwar brachen und zerbröselten sie an einigen Stellen ganz schnell und einfach, sassen dafür aber an anderen Stellen umso fester, mit den üblichen 100mm heimwerker-resistenten Nägeln.

Zum Anbringen der neuen Giebelbretter verwendeten wir dann auf der Rückseite aufgeschraubte Klötzchen, mit denen wir sie zunächst behelfsmässig von oben befestigen konnten – um sie dann vom Dach aus über die Kante festzuschrauben. Das ging ganz gut, solange man die Höhe ignorierte.

Am Unterdach waren einige der Bretter am Rand durchgemodert, und mussten bis auf die zweite Sparre ausgetauscht werden. Interessanterweise hatten die Originalbretter unterschiedliche Breiten – mal 90mm, mal 120mm – aber das Austauschmaterial war natürlich nur in 90mm zu haben, deshalb richtete sich das Ausmass der Reparatur nicht nur nach der Grösse des Schadens, sondern musste auch rechnerisch aufgehen (3×120 = 4×90). Am Ende waren dann natürlich doch 7mm zuviel – warum auch immer – und forderten unsere Sägekünste ganz schön heraus.

Nach Abschluss aller Reparaturen kamen dann die restlichen Latten herunter. Was für ein Job! Zwar liessen sich die Latten problemlos abreissen, aber massenhaft Dreck und feiner Sand, die sich über die Jahrzehnte dazwischen abgelagert hatten, wurden dadurch dem Wind überlassen – der sie uns natürlich nach Lust und Laune in jede erdenkliche Kleidungs- und Körperöffnung blies. Eine elende Sauerei – na ja, Augen zu (Mund auch) – und durch!

Damit war die Dachseite dann fertig zum Neudecken. Zunächst einmal zogen wir neue Unterlagspappe und Dachlatten drauf – alles von Hand (japp, alles von Hand genagelt). Dauerte seine Zeit, wurde aber richtig gut und dicht – und direkt von höherer Instanz mit einem kräftigen Regenguss auf Qualität getestet:

Soweit – so gut. Aber dann kam die grosse Frage: wie kriegen wir denn nun die zweieinhalb Tonnen Betongziegel da hoch?

Nicht dass wir nicht wussten welche Art Hilfsmittel es gibt – sie waren nur für uns ganz einfach nicht zu kriegen. Also blieb nur die Antwort: wie im alten Ägypten! Man nehme einen Sklaven (also mich selbst) und dann Paket für Paket, per Hand über die Leiter hinauftragen. Einhunderteinundzwanzig Mal die Leiter herunter und mit 20kg mehr in der Hand wieder hinauf.

Na ja – und zwischendurch natürlich immer wieder rauf aufs Dach und verteilen und auslegen, Reihe für Reihe, Zentner für Zentner, an den Schikanen auch noch Ziegeln kürzen, …tagein, tagaus, und immer mit Schlechtwetterprognise im Nacken.

Sagen wir’s mal so: es ging 😉 Definitiv nichts zum Zweimalmachen, aber wir wurden fertig.

Will sagen – mit der einen Dachseite. Aber da war ja noch die zweite…herrjeh…

Also noch einmal von vorn: Gerüst aufstellen, diesmal ohne die Bequemlichkeit des Terrassendachs.

Dann erstmal abdecken und sehen was da so zum Vorschein kommt:

Auch hier dasselbe Bild: löchrige Pappe, durchgemoderte Bretter am Rand des Unterdachs:

Nachdem wir auch diese Seite ausgebessert und saubergemacht hatten, konnten auch hier wieder neue Pappe und Latten aufgezogen werden. Eine zusätzliche Herausforderung bildeten die beiden Dachfenster, die sich auch noch ausgerechnet an der Stelle befanden wo wir kein Gerüst stellen konnten. Was für eine Kletterpartie!

Aber auch das ging vorbei, und dann war es wieder so weit:

…und wie nun wieder die Ziegel raufbringen? Diesmal war Hinauftragen von Hand keine Option: die Knie schmerzten viel zu sehr, mittlerweise war es Anfang Juni und schon viel zu warm, und mit der Kletterpartie über und unter den Fenstern war das auch viel kompliziert.

Aber wir hatten Glück und konnten nun endlich einen Ziegel-Lift ausleihen (im Bild oben links), was uns die Sache doch enorm erleichterte. Damit waren in nur zwei Tagen alle Ziegel oben und gelegt:

Das war also der Mai 2016 für uns – und der Grund für diese lange Blog-Pause.